Musik Podium Stuttgart
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Pressestimmen

OPEN AIR SCHLOSS SOLITUDE - N. JOMMELLI: DIDONE ABBANDONATA
31.07./01.08./02.08.2009, Schloss Solitude Stuttgart

Zauberhaftes Zwielicht
Ideal besetzt, ideal musiziert: auf Schloss Solitude verwandelt Frieder Bernius „Didone abbandonata“ von Niccolò Jommelli in einen betörenden Sommernachtstraum


[...] Musika
lisch ist die Produktion ein einziger Genuss. Das liegt sowohl an Frieder Bernius und seinem Orchester; das Jommellis originelle Partitur unter beständiger Hochspannung musiziert, aber auch an den ideal besetzten Sängern. [...] Andrea Brown ist nicht nur darstellerisch ungemein präsent, ihr durchschlagskräftiger Sopran ist auch so koloratursicher wie der von Sarah Wegener (Selene). Valer Barna-Sabadus (Enea) ist ein Countertenor, angesichts dessen stimmlicher Reinheit und Eloquenz sich der einstige Kastratenhype gut nachvollziehen lässt.
[...] Insgesamt mehr als ein geglückter Abend, ja, fast ein Sommernachtstraum, der allerdings jetzt nicht mehr geträumt werden kann: Gespielt wurde nur an diesem Wochenende.

Stuttgarter Zeitung, 3. August 2009 von Frank Armbruster

G. F. HÄNDEL - ISRAEL IN EGYPT
12. Juni 2009, Leonhardskirche Stuttgart

Händel in Perfektion

[...] Gebannt folgten die Zuhörer im dicht besetzten Kirchenraum Bernius' brillanter musikalischer Umsetzung der Partitur. Der Textinhalt wurde Takt für Takt zum Leben erweckt, seien es im ersten Teil die diffizil anschwellenden Klangbögen in der zunächst nur je einstimmig gehaltenen Klage über Josephs Tod oder im zweiten Teil bei der Schilderung der Insekten-Plagen das Violinen-Schwirren, dem mit sonorem Grummeln die Streichbässe folgten. Mit perkussiver Wucht prasselte da der Hagel nieder und in der darauf geschilderten Finsternis vermochte Bernius durch die feine Gewichtung der Konturen sogar glauben machen, dass in der instrumental fahl gehaltenen Dunkelheit doch hin und wieder schemenhafte Umrisse zu erkennen waren. Das instrumental hochkarätig besetzte Barockorchester Stuttgart wie den durchweg in perfekter Balance singenden Kammerchor Stuttgart (man denke nur an den Chorsatz ,,The peopie shall hear“ aus dem dritten Teil und hier den Abschnitt ,,till thy people pass over“ mit seinen unbeschreiblich feinfühlig gleitenden parallelen Stimmführungen) hemmten dabei keinerlei ausführungstechnische Begrenzungen. Waren Schlagkraft und Klangmächtigkeit gefordert, Klageton oder sanftmütige Zeichnung, waren eine mehr rhythmisch-tänzerisch bewegte Modellierung oder eine locker hingeworfene Koloraturenformulierung verlangt, so vermochten Bernius' Ensembles, zu denen auch die auserlesene Solistenriege (Katherine Manley, Franziska Büdke, Daniel Taylor, Thomas Hobbs, Christian Feichtmair, Felix Rathgeber) zählte, die Zuhörer mit ihre intensiven Ausdruckszeichnung mitten ins Geschehen hineinzunehmen. Dabei konnten sie zugleich Händels stilistisch-musikalische Strukturen und Schichtungen in analytischer Klarheit freilegen und diese in einer klanglich schlechthin vollendeten Ästhetik und Reinheit präsentieren. Da blieb kein musikalischer Wunsch unerfüllt, da blieb am Ende nur absolutes Glücksgefühl.

Esslinger Zeitung, 15. Juni 2009 von Sebastian Quint.

Hüpfende Heuschrecken

[...] Tonmalerische Kabinettstückchen sind das allesamt: grandios, wie da die Stechmücken und Heuschrecken in Zweiunddreißigstelketten durcheinanderwuseln oder die Frösche in punktierten Hüpfrhythmen das Land verwüsten. Von höchster Raffinesse auch, wie Händel in dem Chorsatz ,'He sent a thick Darkness over the Land" den Hörer gleich zu Beginn die harmonische Orientierung verlieren lässt: das einsetzende C der Streicher entpuppt sich drei Takte weiter als große Septime über einem Des-Dur-Akkord. Für eine überwältigende Wirkung nicht nur dieses Satzes bürgte Frieder Bernius und sein Stuttgarter Kammerchor. Nicht nur dass es immer wieder ein Glück ist, diesen Chor zu hören - Bernius' unbestechliches Klangbewusstsein und sein Sinn für musikalische Ausdifferenzierung führten zu einer Amalgamierung von Chor- und Orchesterklang in ein betörend warmes wie transparentes Klangbild - in einer Perfektion, die nicht nur in Stuttgart ohne Vergleich ist. [...]

Stuttgarter Zeitung, 15.Juni 2009 von Frank Armbruster

G. F. HÄNDEL - MESSIAH
27. April 2009, Philharmonie Berlin

Deliziös: Das Barockorchester Stuttgart in der Philharmonie

Ein Hauch von Staatsakt liegt über dem Montagabend in der Philharmonie. Wenn die Landesvertretung Baden-Württembergs in Berlin Jahrestag feiert, kommen Weißburgunder und Hechtklößle im Siebeneinhalbtonner aus Freiburg und die Musik aus Stuttgart. Der Kammerchor und das Barockorchester Stuttgart führen Händels „Messias“ aus dieser Zone gediegener Leistungsnachweise hinaus und interpretieren Händels „Messias“ unter Leitung von Frieder Bernius als beglückend unforcierte, reflektierte und unmittelbare Verbindung von Text, Linien und Farben. Durchweg überzeugt Bernius’ Konzeption, Händels Synthese europäischer Formen als großes vibrierendes Spannungsfeld anzulegen: nicht von einem Hit zum nächsten steuernd, sondern mit elegant zügigen Tempi und Übergängen.

Die Affekte werden Impulse in einer oszillierenden Klangfläche, in der kein Wort verschwimmt und der Chor das „light“ in „delight“ wie einen Lichtstrahl fokussiert. Dieser Qualität entspricht bei den Solisten Tenor Benjamin Hulett, während Altus Daniel Taylor in der Höhe etwas maniriert den Schmelz auskostet. Wenn deren Duett in den Chor „But thanks“ mündet, klingt das nach tapsiger Gemeinde – der Kammerchor indessen steigert die Delikatesse. Und singt das „Halleluja“ so staatsaktfern und schwerelos, dass noch das duftigste Hechtklößle daneben ein Wackerstein ist.

Der Tagesspiegel, 30. April 2009 von Volker Hagedorn

MENDELSSOHN GESAMTAUFNAHME

Das Licht hören

Phänomenal: Mendelssohns Sakralmusik mit dem Stuttgarter Kammerchor

»Das kleine dunkle Ding«, so nannte Felix Mendelssohn Bartholdy selbst dieses Werk, eines seiner eigentümlichsten Stücke, ein Reiseprodukt, angeregt durch ein Passionsbild aus dem 17. Jahrhundert. Der Komponist hatte es mit 21 Jahren auf dem Weg nach Italien in München gesehen und daraufhin Oh Haupt voll Blut und Wunden geschrieben, in tiefer intimer Instrumentierung. Zwei Fagotte, zwei Bratschen, zwei Celli formen milde Wellen, Hügel, Horizonte – höhere Instrumente begleiten nur den Chorsopran im Choral. Manches erinnert an den frühen Bach, nicht als stilistische Befangenheit, sondern als bewusster liebender Blick zurück, wie er nur Mendelssohn möglich war. Zugleich ist da ein Schwelgen, Ausgreifen im Dämmerklang, ein Umgang mit den Farben, wie man das vor 1830 noch nicht erlebt hat. Wunderbar.

Und praktisch unbekannt, wie weite Teile von Mendelssohns geistlicher Musik. Auf vielen der 14 CDs der wohl bahnbrechendsten Veröffentlichung zum Mendelssohn-Jahr 2009 findet man solche Schätze. Auch das vermeintlich Bekannte klingt neu. Wann war die Cavatina Sei getreu bis in den Tod aus dem Paulus je so unoratorisch zu hören, so dringlich emotional, unprätentiös herzzerreißend wie mit dem Tenor Werner Güra? Wer, um Himmels Willen, vermisst da noch den Opernkomponisten Mendelssohn? Güra ist einer der vielen vorzüglichen Partner, mit denen Frieder Bernius und sein Stuttgarter Kammerchor uns eine Wunderwelt wiederschenken, die noch vor hundert Jahren durchaus nicht nur Oratorienchören bekannt war – jenen Mendelssohn, der 67 Sakralwerke jeglicher Gattung schrieb.

Unablässig experimentierte und fusionierte er, schuf moderne Archaik für den Berliner Dom (Herr Gott, dich loben wir), komponierte den 100. Psalm als A-cappella-Himmelreich für die jüdische Gemeinde des Neuen Tempelvereins in Hamburg und den 95. Psalm für das Leipziger Gewandhaus als grandios orchestrierte, genial entschlackte Weiterentwicklung barocker Wort-Ton-Verbindungen. Derart unverkrampft nahm er mit seinem Lobgesang das Modell von Beethovens Neunter auf, dass selbst ein kluger Mann wie Hans Mayer noch 1985 fand, das gehe »zu glatt auf«… Schade, dass Mayer nicht mehr die transparente Glut der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen erlebte, den Starkstrom, den Bernius wohldosiert in die Botschaft schießen lässt, und den Chor, der alle sangesbürgerliche Bräsigkeit abgeworfen hat.

Kein Superlativ ist verschwendet, um diesen Chor zu rühmen. Vom Barock bis zu den Klangkapillaren Ligetis hat er sich eine Sensibilität, eine Sprache der Farben erarbeitet, in der nun Mendelssohns Musik aufleuchtet. Nicht nur das Bild des Komponisten wird durch diese Gesamtaufnahme nachhaltig verändert werden. Freigelegt wird auch der Geist einer offenen, intensiven Religiosität – Felix als Fortsetzer seines Großvaters Moses. »Hüter, ist die Nacht bald hin?«, so lautet die melodisch zum Zerreißen gespannte Frage im Lobgesang. Die Geschichte nach Mendelssohn hat sie mit einem dumpfen und dröhnenden Nein beantwortet. Jetzt hört man endlich das Licht.

Die Zeit, 19. Februar 2009 von Volker Hagedorn

HOFKAPELLE STUTTGART, Februar 2009

Bekenntniskunst

[...] Herzstück des Abends aber ist Felix Mendelssohn Bartholdys Sinfonie d-Moll, die ihren Beinamen "Reformationssinfonie" dem darin zitierten Choral "Ein' feste Burg ist unser Gott" verdankt. Bernius verortet das Stück mit staunenswerter Transparenz und Flexibilität zwischen absoluter Kunstmusik und religiös-programmatischem Bekenntnis. Mal schimmert diese Sinfonie in wärmsten Farben. Dann wieder zeigen Bernius und seine phänomenalen Musiker, wie sehr Mendelssohn in barockem Kontrapunkt-Denken verhaftet war, aber auch die Brillanz des Klassizisten wird hier hörbar.

Stuttgarter Zeitung, 16. Februar 2009 

Das Ereignishafte der Musik

Die Hofkappelle Stuttgart unter Frieder Bernius in der Stadthalle

Zwei fast unausrottbare Vorurteile räumte am Freitag die Hofkapelle Stuttgart in der Stadthalle mit der ihr eigenen Gründlichkeit aus, um an deren Stelle andere, einsichtigere musikalische Überzeugungen zu setzen.

[...] An die Stelle dieser nicht weiter zu diskutierenden Ansichten setzte das von Frieder Bernius geleitete Ensemble mit spielerischem Aplomb wenigstens zwei andere Einsichten: Einmal, dass das Orchester in der Riege der historischen Klangkörper einen eigenen, bedeutsamen Platz einnimmt, auch wenn es nicht allen Ansprüchen verbiesteter Stilpuristen standhält; dann, dass auf seine Art und (Spiel-) Weise weder Haydn als tändelnder Rokoko-Spätling noch Mendelssohn als eklektizistischer Klassik-Nachfahre abgetan werden kann.

Der spielerische Zugriff des erst 2006 gegründeten, ob der knappen Zeit seines Bestehens durch die nachdrückliche Präzision seines Zusammenwirkens ebenso überzeugenden wie durch die Homogenität des Klangbilds bestechenden Orchesters faszinierte kaum weniger als die unbeirrbare Bestimmtheit seiner Darstellungsweise, die sich zunächst auf mit fester Hand ausgeführte Konturen und kräftige, durch geschärften Klang erzeugte Farben gründete, um mit diesen Mitteln sodann zu einer dramaturgisch wohldurchdachten, das Ereignishafte der Musik betonenden Interpretation zu gelangen. [...]

Neue Württembergische Zeitung, 19. Februar 2009 von Hans Herdeg

G.F. HÄNDEL - MESSIAH, Dezember 2008


"Man muss die Not spüren, ein Werk neu zu deuten"

Die tiefe Spirituallität von Georg Friedrich Händels "Messiah"

Die beeindruckende konzertante Aufführung von Georg Friedrich Händels weltberühmtem Meisterwerk "The Messiah" in englischer Sprache in der Essener Philharmonie war beides: sowohl ein an historischer Aufführungspraxis orientiertes "grand musical entertainment" (so die Bezeichnung bei der Uraufführung in Dublin 1742) als auch ein "sacred oratorio (spätere Ankündigung bei Konzertaufführungen des "Messiah"). Ein Widerspruch? Nicht wenn so brillante Musiker singen und spielen. [...] Mit klangplastischer Spielfreude, historischer Spieltechnik und Präzision in Zusammenspiel, Tempo und artikulatorisch-dynamischen Schattierungen musizierte das von Bernius 1985 gegründete Barockorchester. [...] Einem barocken, eher lyrischen Klangideal entsprach die Auswahl und Interpretation der fantastischen Sänger. [...] Eine Maßstäbe setzende Klang- und Interpretationskunst zeigte auch der gut 30 Sängerinnen und Sänger umfassende Stuttgarter Kammerchor mit einem überwiegend aus Altus-Klangfarben bestehenden Alt, klar und technisch sicher artikulierenden, intonierenden Stimmgruppen und transparentem Klangbild. Akzentbetont, schlank und beschwingt ließen sie nicht zuletzt Händels lebensbejahende Haltung spürbar werden.    

Online Musik Magazin, 21. Dezember 2008 von Ursula Decker-Bönniger

'Messiah' corposo e intenso

Ieri sera al Ponchielli applausi per l'ensemble di Stoccarda

[...] Bermius - maestro conosciuto nell'ambiente per il talento e per il carattere capriccioso, il classico 'genio e sregolatezzo' - è considerato uno dei maggiori interpreti del repertorio barocco. Ieri sera, davanti a un puvlico piuttosto numeroso, il musicista tedesco ha fornito una grande esecuzione della celebre partitura. È piaciuto anche l'utilizzo di un gruppo assolutamente in linea con la corretta prassi esecutiva ma nel contempo robusto nelle dimensioni. D'altro canto lo stesso Händel amava gli organici piuttosto generosi e le sonorità abbondanti, senza ovviamente che ciò faccia pensare a certe interpretazioni di stampo romantico in voga fino a una trentina di anni fa. Oltre all'assoluto valore di coro e orchetra, è il quartetto die solisti ad aver convinto e favorevolmente impressionato. [...]

La Provincia di Cremona, 23. Dezember 2008 von Roberto Codazzi

Bernius legge in filigrana il Messiah

[...] Berbius, capace di innervare una pagnia tanto famosa con un approccio attento e curioso, dove la filologia più osservata diventa strumento per indagare le ragioni più segrete e affascinanri del testo musicale. Per analizzare in filigrana ragioni poetiche ed estetiche dell'opera, riduce sensibilmente l'organico corale ed orchestrale, impiega strumenti originali senza soluzioni tropp integraliste, soprattutto nella sezione degli archi, ma soprattutto opra und drastica spoliazione da tutte le clangorose sovrastrutture patriottiche, trionfalistiche, celebrative che, bene o male, certe olografia, ha , in due secoli e mezzo, associate a quet'opera.

La lettura di Bernius è, in questo senso, illuminante, nuova, portatrice di chiavi di letturache aggiungono sempre qualcosa in più, spesso pradossalmente per "Sottrazioone", a a quell'infinito repertorio di invenzioni che è il Messiah.

Alla guida del Stuutgart Barockorchetsre und kammerchor ha puntualmente eseguito 50 dei 54 brani della versione originaria dell'oratorio. Con attento rigore stilistico e, soprattutto, con umanissima semplicità, Bernius riesce a ricusare qualisiasi rischio di enfasi e di retorica anche negli interventi corali di maggior notorietà, come il travolgente "Halleluja" al cumina della seconda parte. [...]

Coro e orchestra, poi, mutano addiritura il suono, sereno e rassicurante nella prima parte, cupo, violento e quais cattivo nella seconda, miracoloso per compattezza e capacitá di sostenere le grandi scene d'insiemenella terza, frutta di unasorprendente cura dell'equilibrio sonoro. Anche i tempi, peraltro, seguono il respiro della narrazione, rivelandosi sempre esatti, screvi da forzature meramente tese all'effetto.

Il risultato, all'ascolto, è un'interpretazione asciutta, antiretorica, un'elevazione sensibile intima, emozionante e, proprio per questo, straordinariamente viva.

La Cronaca di Cremona, 23. Dezember 2008

"Das beste Musikstück, das je zu hören war"

Schon vor über 250 Jahren wurde Händels "Messiah" überschwänglich bejubelt. Frieder Bernius machte daraus in der Essener Philharmonie einen beseelenden Abend.

[...] Der Stuttgarter Kammerchor brilliert mit ausgewogenem, unglaublich geschmeidigem Klang, verlässt sich aber nicht auf die pure Schönheit samtener Soprane und biegsamer Bässe. Sie bleiben der strahlenden D-Dur-Festlichkeit Händels nichts schuldig, aber sie kennen auch den Ernst des altertümlichen Grave, die italienisch-sonnige Lockerheit der Phrasierung, die Kühnheit großer Bögen und die traumwandlerisch präzise Polyphonie. Das Ergebnis ist schlanker Schönklang, der leidenschaftliche Affekte abgerundet einbindet, ohne in die Marmorblässe zu distanzierter Darstellungen zu geraten. Ähnlich grandios das Orchester: ein nie manirierender Stil in Tongebung, Strich und Phrasierung, keine übertriebenen Tempi bei flüssigem Grundschlag, lebendige Kontraste zwischen erregtem Staccato und gelöstem Legato. Der silbrige Violinklang kommt ohne die schneidenden Töne mancher "historischen" Ensembles aus. Exakt intonierende Trompeten und die Pauke drängen sich nicht vor. [...]

WAZ (Kultur), 24. Dezember 2008 von Werner Häußner


Heftig bejubelte Auferstehungsfreude

Leichtfüßige Eleganz, bezaubernde Künstler: Frieder Bernius dirigiert zum Jahresabschluss Händels "Messias"

[...] Ätherisch schweben die Sopranstimmen in höchsten Lagen, lassen sich auf einen Dialog mit den vorzüglichen, weil zurückhaltenden und technisch beeindruckenden Trompeten ein. Und auch die Bässe tummeln sich mit selten zu hörender Eleganz in den Koloraturketten, die der Klangfetischist Bernius im Tempo auf die Spitze treibt. Und so erlebt man das Weihnachtswunder des ersten Teils, Jesu Leiden im zweiten Abschnitt und die nachösterliche Freude über die Auferstehung als spritzige Unterhaltungsmusik.

Doch der Dirigent und seine Musiker hüten sich vor leerem Koloraturgeklingel und perfektionistischer Oberflächlichkeit. Vielmehr spürt man hinter diesem lebendigen Musizierwillen die positive Botschaft, die auch die herben Momente überdauert. Und dafür findet Bernius ergreifende Klänge. Beinahe weltfern tönt der Beginn des dritten Teils "Since by Man came Death". Die Erkenntnis des Todes Jesu realisiert sich in kühlen, abgewandt wirkenden Tönen, bei denen der Kammerchor seine makellose Intonation und Verschmelzung der Stimmen demonstriert und gleichzeitig eine unheimliche Stimmung entstehen lässt, die sich sofort im Jubel der Auferstehungsfreude auflöst. [...]

Stuttgarter Zeitung, 2. Januar 2009 von Markus Dippold

Ein Fest: Frieder Bernius dirigiert "The Messiah" von Händel in der Stuutgarter Liederhalle

Die goldene Mitte

[...] Die Schrittsicherheit des Bernius-Teams ist bewundernswert. Die Schroffheiten der alten Instrumente mit ihrem völligen Verzicht auf romantisierende Beigaben und das ariose Aussingen des Kammerchors bedingen sich gegenseitig. Hell drängende Polyfonie und die strömende, tremolofreie Kantabilität der 43 Chorsiten stehen in rhythmischem Einverständnis nebeneinander.

[...] Temporeduzierungen aus Schwierigkeitsgründen oder Minderungsprozesse jeglicher Art sind für Bernius undenkbar. Im Mantel der englischen Sprache finden seine Ensemblesohne das geringste Zerren am inneren Gleichgewicht zu einer Art goldener Mitte: Kirchen- und Bühnenmusik ohne künstliche Trennung, aber in bestechender Präzision. Vitale Hörfreude also: von einem zweistündigen Anlauf zum berühmten "Halleluja" konnte keine Rede sein, denn es war das zwangsläufige ergebnis der vorangegangenen Stimm- und Instrumentalkultur. [...]

Stuttgarter Nachrichten, 2. Januar 2009 von Erwin Schwarz


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